All inclusive - mal anders

Nachdem wir einige Zeit in Cusco und Umgebung verbracht hatten, ging es noch weiter in den Süden Perus hinunter. Nächstes Ziel war der wundervolle und einzigartige Titicacasee. Der Titicacasee (übersetzt “grauer Puma”, wenn man es richtig wie die Schweizer “Titichacha” ausspricht, sonst heißt es nämlich “scheiß Puma”) ist mit 8562km2 und mit einer Seehöhe von 3809m der größte See Südamerikas (15mal so groß wie der Bodensee) und auch der höchst gelegenste schiffbare (grins) See der Welt. Obwohl man das eigentlich nicht so genau nehmen darf, es gibt noch einen höheren ebenfalls in Peru, aber der klingt nicht so gut…

Der See liegt zu 70% in Peru und zu 30% in Bolivien und hat eine erfrischende Wassertemperatur von 8-12 Grad.
So, fertig mit den interessanten Details, auf zu den Nebensächlichkeiten. Wir, “Team Bembos” (Name entwickelte sich während wir noch zu sechst waren), nur noch zu viert, gönnten uns wieder einmal eine reizvolle Busfahrt von ungefähr sechs Stunden (europaeischer Zeit selbstverständlich). Ziel war Puno am Titicacasee. Es liegt direkt in einer fetten Bucht, hat aber nicht viel Aufregendes zu bieten. Aus diesem Grund buchten wir gleich für den nächsten Tag unsere nächste Tour auf drei Inseln im Titicacasee.

Mit dem Boot tuckerten wir zuerst einmal eine Schilfinsel der Uros an. Die Uros sind ein Volk, das vor den Inkas auf diese selbstgebauten schwimmenden Inseln aus Schilf geflüchtet sind, weil sie als minderwertig betrachtet und deshalb verfolgt wurden. Insgesamt gibt es knapp 60 dieser winzig kleinen, aber perfekt konstruierten Schilfinseln, von denen nur drei bis vier für Touristen zugänglich sind. Es ist zwar sehr interessant anzuschauen und zu erfahren wie diese Inseln aufgebaut sind (bei jedem Schritt sinkt man ordentlich ein), aber es ist schon ein bisschen unangenehm, irgendwie kommt man sich vor, wie ein Besucher im Zoo. Andererseits können sie gut damit leben und zehren vom Tourismus.

Nächster Stopp die Insel Amantani. Dort wurden wir einer Gast-Familie zugeteilt, bei der wir essen und übernachten durften. Auf der Insel gibt es keine fahrbaren Untersätze und keinen Strom (nur sehr vereinzelt mit Solarenergie), nach Sonnenuntergang ist es stockfinster und still, dafür hat man einen herrlichen Blick, wenn nicht bewölkt, auf den Sternenhimmel. Die Menschen leben hier von Viehzucht, Ackerbau und dem Tourismus und unter einfachsten Bedingungen. Auch für uns gab es natürlich keine Bevorzugungen. Wir schliefen auf weichen Holzbrettern, aßen wenig, dafür aber typisch einheimisches Essen (Suppe, Kartoffeln und Reis), und hatten keine Dusche, aber zumindest ein Plumpsklo. Vor und nach der steilen Wanderung zum höchsten Punkt der Insel durften wir sogar einem momentanen Festival beiwohnen, mit traditionellen Tänzen und urigem Geflöte. Sehr witzig waren vor allem die alten Kokablätter kauenden männlichen Einwohner und die Polizisten mit Bier in der Hand.

Während es untertags in der Sonne doch an die 25 Grad hat, wird es in der Nacht schweinekalt. In fünf dezimeterdicke Decken und all unserer dicken Kleidung eingehüllt, war es jedoch erträglich und wir konnten ein paar Stündchen schlafen.
Leider hatten wir, im Gegensatz zu anderen, mit unserer Gastfamilie Pech, weil sie alle nicht sehr gesprächig waren und sich nicht besonders für uns interessierten. Also haben wir uns den Abend mit Kartenspielen im Kerzenlicht vertrieben und uns am nächsten Morgen unbekannterweise wieder verabschiedet, um uns auf den Weg zur Insel Taquile zu machen.

Auch dort war wieder ein kleiner Berglauf zum Hauptplatz angesagt. Der traumhafte Blick über den Titicacasee entschädigte natürlich für jede Anstrengung. Unser Guide erklärte uns dann auch einiges über die Gewohnheiten auf dieser Insel. Jedem Single kann man diese Insel nur empfehlen! Vergesst die Single-Partys oder das Speed-Dating! Jeder einheimische Mann, der nicht vergeben ist, hat dort nämlich eine Mütze mit dickem weißem Rand auf, alle anderen, also die Verheirateten, haben Zweifarbige auf. Nur die Chefs der Insel dürfen in megaknallbunten Mützen herumrennen. Bei den Frauen wird das ganze über die hübschen Röcke definiert. Je dunkler, desto vergebener….

Nach dreistündiger Bootsfahrt retour nach Puno mussten wir uns, nach ausgiebiger Stärkung in der grandiosen örtlichen Bäckerei unseres Vertrauens, leider von Johannes und Katharina endgültig trennen. Wir machten uns auf den Weg nach Arequipa, wo wir jetzt grad sind, und die beiden “Wappler” (grins) düsen weiter nach La Paz und dann nach Rio, dem Endpunkt ihrer einjährigen Weltreise, von wo sie in drei Wochen wieder nach Wien zurückkehren. Zum Nachlesen ihrer Reise und auch um unsere Reise aus einer anderen Sicht zu lesen bzw. zu sehen, sei noch mal ihre Homepage zu empfehlen.

Wir starten morgen noch eine letzte 2-Tages-Tour in den Colca-Canyon, danach geht es noch in die Wüstenoase Huacachina und zum Schluss back to Lima. Nicht mehr lange und wir sind wieder zurueck in Wien. Wir können es gar nicht fassen, wie schnell die letzten vier Wochen vergangen sind…