Ein kleiner Schritt für Peter, ein großer Schritt für Julia

Kaum zurück von unserer Dschungeltour ging es am nächsten Tag gleich weiter. Gemeinsam mit unseren vier Freunden und einem italienischen Pärchen (Marilena und Stefano) wieder einmal eingezwängt in einem Kleinbus fuhren wir zuerst nach Ollantaytambo und dann gleich weiter auf einen Pass auf 4000 m Seehöhe. Dort sattelten wir unsere Drahtesel, legten ausgeborgte Fahrradutensilien an und fuhren, leider mit einigen Pausen aufgrund nicht sehr gut gewarteter Mountainbikes, zwei Stunden downhill die Straße und später einen sehr felsigen Feldweg hinunter. Abgesehen von den schmerzenden Hinterteilen und Händen (vom Festklammern des Vorderteils) am nächsten Tag, war es uuuuurrrr super!

Danach gleich weiter zu unserem ersten Hostel in Santa Maria. Sehr einfach wieder einmal, jedoch diesmal sogar zwei Kakerlaken und ein Loch im Holzboden direkt in die 3m darunterliegende Dusche inklusive. Unsere zwei Guides (Ronaldo und Herbert) waren zwar sehr bemüht, doch des Englischen waren sie nur sehr eingeschränkt mächtig, was uns das Informationen-Holen doch etwas schwieriger gestaltete. Aber wir acht hatten trotzdem viel Spaß…mit Pisco-Sour und nachdem wir “Italy” und “Canada” erfolgreich ins Wizard-Spiel eingeführt hatten.

Der zweite Tag, eigentlich ein Freudentag, weil Katharina ihren Geburtstag feierte, sollte aber doch ziemlich anstrengend werden. Um 7:30 Uhr sind wir gleich Richtung Santa Teresa losmarschiert. In traumhafter Landschaft und über den Inka-Trail (nicht den Klassischen, für Touristen Vermarkteten), schlugen wir uns tapfer und stiegen steil bergauf über enge Pfade in schwindelerregenden Höhen. Total verschwitzt und völlig fertig erreichten wir nach einer Stunde peruanischer Zeit, also acht Stunden europaeischer Zeit, endlich die heißersehnten “Hot Springs” in wunderschönem Ambiente, umgeben von Bergen. Für zwei Stunden war einfach nur Chillen angesagt. Herrrrrrlich! Endlich sauber, dafür von einigen Moskitos befallen nutzten wir einen Kleinbus um unser zweites Hostel zu erreichen. Diesmal war Abendessen und anschließend ein Geburtstags-Wizard angesagt, mit einer natürlich glücklichen Gewinnerin. *grins*

Am nächsten Tag änderten wir unsere Tour ein bisschen und verzichteten schweren Herzens auf einen Anstieg in sengender Hitze, mieteten uns kurzerhand einen “Kleinbus” inklusive Extra-Peruanischem-Türhalter, sich selbstständig rückwärts bewegender Rückbank und damit freier Sicht auf die Reifen, aber mit zumindest einem Chauffeur. Natürlich “mussten” wir trotzdem anschließend zwei Stunden entlang der Eisenbahn-Schienen (mit einigen Hechtsprüngen dem Zug gerade noch ausgewichen) nach Aguas Calientes, dem Ausgangsort zur Machu Picchu-Besichtigung, wandern. Kaum waren wir angekommen, schüttete es auch schon aus allen Kübeln, wir cancelten unseren nachmittäglichen Marsch und nutzten die Gelegenheit uns das kleine Örtchen anzuschauen. Vom Schlaf verfolgt, da wir ja seit wir in Peru sind nie viel geschlafen haben und am nächsten Tag mehr als nur frühmorgens raus mussten, fielen wir gleich nach dem Abendessen todmüde ins Bett ohne nicht noch vorher Peter´s allergische Mückenreaktion zu entdecken und gleich zu behandeln. Eine Handvoll Stiche nach dem Dschungel, eine Verzehnfachung nach dem Trekking in den Anden. Da stimmt doch was nicht, oder?

Wer gedacht hat, dass er die härteste Wanderung schon hinter sich hat, dem sei der nicht ganz unbekannte Machu Picchu empfohlen, zumindest, wenn man unter den ersten 400 Leuten sein will, die Wayna Picchu (Quechua-Name, original Huayna Picchu) ebenfalls sehen bzw. besteigen wollen. Dazu muss man nämlich um 3:30 Uhr aufstehen, Zähne putzen, Taschenlampe schnappen und schnurstracks vorbei an den hundert anstehenden busfahrenden Pilgern und dem tapferen Strom des kleinen Fußvolkes rasant folgen. Wir hatten zwar schon Tickets für den Machu Picchu (”Großer Berg”), aber um den Wayna Picchu (”Kleiner Berg”), den angrenzenden Berg auch erklimmen zu dürfen, muss man erstens einer der ersten in der Schlange oben sein und zweitens, nach Öffnung der Tore, quer durch das ganze Gelände hetzen um dort unter den ersten 400 zu sein, die ein Ticket ergattern. Aufgrund dessen stürmten wir total fanatisch und dadurch mit übernatürlichen Kräften zuerst den einstündigen Wahnsinns-Anstieg im Dunkeln über unendlich viele natürliche Stufen durch den Wald und anschließend querfeldein im Dauerlauf zum anderen Ende um schlussendlich auf Platz 66 und 67 zu landen. Kanada und Italien landeten gleich auf den Plätzen hinter uns. *grins* Juhu, geschafft! Man glaubt es kaum, wie man sich freuen kann, später (10 Uhr), einen weiteren irren Anstieg machen zu dürfen und welche Kräfte deswegen in einem freigesetzt werden….

Kaum die Tickets geschnappt, gleich wieder im Dauerlauf retour auf die andere Seite, um dort den erhöhten klassischen Blick auf die Ruinen von Machu Picchu noch ohne Menschenmassen genießen und fotografieren zu können. Dem nicht genug mussten wir wieder zum Eingang zurück hetzen, weil die Lustigen nur außerhalb des Geländes ein Klo errichteten….und wir pünktlich um 7 Uhr zum Start unser guidegeführten Tour durch das Gelände, natürlich wieder auf der ganz anderen Seite sein mussten. Konditionstraining ist ein Schas dagegen! Aber der Stress war damit vorbei. Wir genossen den unglaublichen, nicht zu beschreibenden Anblick der Machu Picchu-Ruinen eingekesselt inmitten der Anden und erfuhren dort auch einiges über die Inkas.

Um 10 Uhr war es dann soweit, die nächste freiwillige einstündige Besteigung des Wayna Picchu stand am Programm. Nicht weniger anstrengend als in der Früh, aber dafür ohne Stress, schleppten wir uns gemeinsam mit “Team Kanada” über die meterhohen Steinstufen und hauten uns über Felsen hoch bis zum Gipfel, um den Machu Picchu von der anderen Seite und ca. 200 m höher zu betrachten. Der Ausblick hat die Anstrengung tausendmal überboten!

Runter war das ganze natürlich auch nicht so einfach, aber wir haben es doch irgendwie geschafft uns runterzuhanteln. Danach ging es schnell per Bus zurück nach Aguas Calientes, um sich ein wenig zu stärken, essen ist nämlich am Machu Picchu auch verboten…
Am Abend genossen wir noch eine wohl verdiente Pizza und am nächsten Tag um 5 Uhr früh ging es zurück nach Cusco, wo wir uns jetzt gerade von unseren Freunden aus Kanada verabschiedet haben, die heute ihre Flitterwochen in Peru beendet haben. Morgen geht es weiter nach Puno zum Titicacasee, dort wird es richtig kalt werden, was wir so gehört haben. Brrr…..