Und wir standen in den Anden...

14 Stunden Busfahrt nach Cusco…so war der Plan. Um 21 Uhr ging es in Nazca los, über die Anden…ein wenig geschlafen, Musik gehört, manchmal aus dem Fenster geschaut und dutzende Höhenmeter später, steckten wir dann plötzlich auf 4.500 Metern Seehöhe irgendwo im Nirgendwo fest. Draußen nur Schnee, saukalt, ein paar Berge und ein paar Lama-Herden gesichtet. Wir wussten anfangs überhaupt nicht, was los war, wir standen einfach, wie sich später herausstellte, 4 Stunden, nur herum. Mit der Zeit wurde es heller und wir erkannten zumindest, dass wir nicht die einzigen in einer megalangen Kolonne waren. Dank unserer perfekten Spanisch-Kenntnisse waren wir die Letzten, die erfuhren, was eigentlich los war. Irgendein LKW blockierte, dank Eis- und Schneefahrbahn, die komplette ohnehin nur eineinhalbspurige Straße. Dies wurde zwar gelöst, aber aufgrund der intelligenten LKW- und Busfahrer, die sich immer wieder versuchten vorzudrängen (von beiden Seiten), war das eine Sache von Stunden…

Dank des nicht geplanten plötzlich länger anhaltenden Höhenaufenthalts, wirkte sich das ganze natürlich auch nicht gerade positiv auf unseren und vor allem Peter´s Zustand (Kopfschmerzen, Schnellatmigkeit und Übelkeit) aus. Aber auch so ein Firlefanz geht vorbei. Im Endeffekt dauerte die ganze Fahrt lächerliche 22 Stunden. Abgesehen von eingerosteten Knien und leichter Übernachtigkeit kamen wir gut an. Das pipifeine Hostel in Cusco schon gecheckt, gingen wir abends dann gleich noch gut essen. Momentan ernähren wir uns hauptsächlich von Avocado mit “Beilage”. Gott sei Dank gibt es da genug davon, auch ohne Koriander! Meerschweinchen (Cuy), Alpaca (Lamaart) und sonstiges Getier war uns bisher noch zu teuer. Kommt aber sicher auch noch in unsere Mägen.

Cusco (3430 m Seehöhe, bedarf deshalb einer dreitägigen Eingewöhnungsphase) ist eine wunderschöne Stadt, eingekesselt in den Anden, und eigentlich vom Stil her komplett anders als andere peruanische Städte. Sie ist zwar sehr touristisch, weil von hier aus viele Touren (Machupicchu, Amazonas-Tiefland, Trekking-Touren, usw.) angeboten werden, aber die Stadt hat trotzdem einen ganz besonderen Reiz. Da Cusco das ehemalige Herz des Inka-Reiches ist, gibt es hier rundherum und untendrunter massenhaft Inka-Ruinen, Inka-Mauern und natürlich obendrüber präkolumbianische und koloniale Bauten und dergleichen, weil die bösen Spanier damals (1533) die Stadt eingenommen und zum Großteil zerstört haben.

Die letzten drei Tage hier in Cusco haben wir diesmal zu zweit natürlich damit verbracht, alles aufzusaugen, was uns in die Quere gekommen ist. Angefangen von den Inkaruinen Saqsaywaman, direkt über der Stadt, von denen man einen beeindruckenden Blick über ganz Cusco und noch viel weiter hat, besuchten wir auch das Inka-Museum und spazierten stundenlang durch die Altstadt (massenhaft Kirchen inklusive), kurzer Stopp beim San-Pedro-Markt (best fresh Jugo ever!) und genossen die Atmosphäre.

Etwas mühsam, sind wieder einmal die Einheimischen, die ihre Sachen wieder einmal ständig und überall ohne Skrupel für dein Geld los werden wollen. Die Produktion des “No Gracias”-T-Shirts ist bereits in vollem Gange!
Im Gegensatz zu Tunesien damals (1999), wo Peter für Julia ein Kamel bekommen hätte, war es diesmal nur eine peruanische Gitarre, aber immerhin…Peter musste schon länger überlegen, vor allem nachdem der Peruaner sein Angebot für Julia auf zwei Gitarren erhöhte.

Heute hatten wir ein weiteres tolles Erlebnis…wieder einmal hat es Julia erwischt…der blöde Bankomat hat ihre Karte verschluckt. Ein paar Szenen in der hiesigen Bank mit Spanisch-Englisch-Versuchen und wildesten Gestikulationen später, gelang es uns doch irgendwie, nach ein paar Drohungen (”die Zeitung wird davon erfahren”, usw.), das Kärtchen auch baldigst wieder zu bekommen. Wollten sie uns doch auf unbestimmte Zeit vertagen. Tststs…ohne Moos nix los!

Wir haben uns entschlossen von Cusco aus gleich zwei Touren zu starten. Morgen um 5 Uhr früh splitten wir uns und ziehen zu zweit für vier Tage in den Amazonas-Regenwald, bzw. ganz genau dem Manu-Nationalpark, und gleich darauf starten wir dann wieder zu viert mit Katharina und Johannes (eigentlich mittlerweile zu sechst, Pärchen aus Kanada) eine weitere 4-Tages-Tour (Biking, Trekking und Anschauing von Machupicchu), um uns anschließend wieder in Cusco zu fangen und dann frohen Mutes zum Titicacasee aufbrechen. Unsere Pläne haben wir mittlerweile komplett beiseite geschmissen… Wir pfeifen jetzt auf den Norden, weil es erstens im Süden noch einiges Ungesehenes gibt, weil die Flüge in den Norden leider zu teuer und die Busse zu langsam für die restliche Zeit, die uns noch bleibt, sind.
Wir melden uns nach unseren Touren wieder…